Diskursanalysen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gegenwärtigen Leitmedien-Diskurs um Sexarbeit auf der Plattform OnlyFans aus einer macht- und wissensanalytischen Perspektive. Theoretisch stützt sich die Analyse auf die Diskurstheorie Michel Foucaults sowie auf die Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger. Zur historischen Kontextualisierung orientiert sich die Arbeit an Theodora Beckers Dissertation “Dialektik der Hure. Von der ‘Prostitution’ zur 'Sexarbeit’”, die die diskursive und materielle Transformation des Gewerbes im Zuge der Etablierung einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft rekonstruiert. Im Zentrum steht dabei Walter Benjamins Prognose, dass es umso einladender werde, Prostitution als Arbeit zu bezeichnen, je mehr sich Arbeit der Prostitution annähere – eine These, die im Kontext digitaler Sexarbeit auf OnlyFans neu lesbar wird. Empirisch basiert die Arbeit auf einer qualitativen Analyse ausgewählter Leitmedienberichte im Zeitraum von 2020 bis 2025. Eine Strukturanalyse rekonstruiert zentrale Themen und Topoi sowie deren Verteilung im Diskurs, während die Feinanalyse eines exemplarischen Textes diskursive Aussagen, rhetorische Strategien und Subjektpositionierungen untersucht, wie sie hier in einer feministischen Emanzipationserzählung der Sexarbeiterin kulminieren. Die Ergebnisse legen nahe, dass sich der Diskurs um die Prostituierte im Zuge der Transformation durch die kapitalistischen Verhältnisse und der Einpassung der Figur der Sexarbeiterin in diese zunehmend homogen strukturiert. Die beobachtbare Entstigmatisierung und diskursive Rahmung als Emanzipation lässt sich im Anschluss an Herbert Marcuse als Form repressiver Entsublimierung interpretieren: Triebbefreiung erscheint nur insoweit möglich, als sie bestehende neoliberale und patriarchale Herrschaftsverhältnisse stabilisiert.
u:theses: Tim Benjamin Pfeiffer (2025). Zwischen Depression und digitaler Ohnmacht. Eine kritische Diskursanalyse digitaler Gesundheitsanwendungen
Seit 2019 sind digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems und können als “Apps auf Rezept” von den gesetzlichen Krankenkassen refundiert werden. Speziell im psychotherapeutischen Bereich wurden seither zahlreiche Anwendungen zugelassen, die größtenteils als Selbsthilfewerkzeuge konzipiert sind und auf zwischenmenschlichen Kontakt weitgehend verzichten. Sie versprechen einen Behandlungserfolg durch Praktiken der Selbstvermessung und Psychoedukation, für den keine therapeutische Beziehung notwendig ist. Die vorliegende Arbeit zeichnet die mit diesen Entwicklungen einhergehenden Implikationen für die therapeutische Praxis mithilfe einer an Foucault orientierten kritischen Diskursanalyse des kognitiv-verhaltenstherapeutisch geprägten Angebots für Depressionen nach. Dabei wird deutlich, dass psychische Irritationen als Defizite im Individuum betrachtet werden, lebensweltliche und gesellschaftliche Kontexte hingegen ausgeblendet bleiben. Mithilfe psychoedukativer Inhalte und der Erkennung korrelativer Muster in den eigenen Symptomen und im eigenen Verhalten soll das Individuum lernen, sich selbst zu regulieren. Zudem zeigte sich, dass dieselben DiGAs, die im gesetzlichen Gesundheitswesen genutzt werden, auch im privaten Unternehmenssektor zur Gesundheitsverbesserung am Arbeitsplatz angeboten werden und hierfür neben Evidenzanforderungen des Gesetzgebers ebenso wirtschaftliche Interessen von Unternehmen bedienen. Die Ökonomisierung und Verschränkung von Gesundheit mit Zielen der Resilienz und Produktivitätssteigerung zeigte sich im Besonderen in der Dispositivanalyse der DiGA “My7steps App”. Indem DiGAs gesellschaftliche Missstände ausblenden und dem Individuum die Verantwortung für diese übertragen, lassen sie sich als neoliberale Selbsttechniken verstehen, welche die bestehenden Verhältnisse reproduzieren und stabilisieren und sie nicht infrage stellen.
Trans Personen in Österreich benötigen psychologische, psychiatrische und psychotherapeutische Stellungnahmen, um geschlechtsaffirmierende Gesundheitsversorgung oder eine Personenstandsänderung in Anspruch nehmen zu können. Diese verpflichtenden Kontaktpunkte mit Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen (zusammengefasst als Psy*) sind für viele trans Personen von stark eingeschränkter Handlungsfreiheit, Abhängigkeit, Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch geprägt – mit psychischen Folgen wie Angst, Stress oder Depression (Maier, 2024). Ein zentrales Dokument, welches das Verhältnis zwischen trans Personen und Psy* strukturiert, sind die “Empfehlungen für den Behandlungsprozess bei Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus nach der Klassifikation in der derzeit gültigen DSM bzw. ICD-Fassung” des österreichischen Gesundheitsministeriums. Aufgrund ihrer normsetzenden Wirkung für die Praxis wird dieses Dokument in der vorliegenden Arbeit mittels Kritischer Diskursanalyse nach Jäger und unter Rückgriff auf Foucaults diskurstheoretische Überlegungen untersucht. Die Analyse zeigt, dass die Empfehlungen ein strukturell asymmetrisches Verhältnis etablieren: Trans Personen erscheinen als Subjekte, deren Identität geprüft und beurteilt werden soll, während Psy* die Rolle zugewiesen wird, diese Identität zu beobachten, zu bewerten und in Stellungnahmen zu dokumentieren. Dadurch entsteht eine funktionale Rollenteilung in bewertende und zu bewertende Personen, die das Verhältnis zwischen beiden Seiten prägt. Im Zentrum der Empfehlungen stehen nicht Maßnahmen zur Unterstützung oder Begleitung, sondern Verfahren zur Prüfung und Dokumentation spezifischer Kriterien für medizinische Unterstützung oder rechtliche Anerkennung. Sichtbarkeit, Kontrolle, Normierung und Prüfung strukturieren den Diskurs. Die Anforderungen an trans Personen sind detailliert ausgeführt, die Rolle der prüfenden Instanzen bleibt hingegen unhinterfragt. Ein Vergleich mit internationalen Leitlinien zeigt, dass alternative Ansätze existieren, die transparenter gestaltet sind, die Selbstbestimmung von trans Personen betonen und Fachkräften eine primär beratende Funktion zuschreiben, während Entscheidungen zu geschlechtsaffirmierenden Maßnahmen ausdrücklich bei den trans Personen liegen – eine Orientierung, die auch für eine mögliche Weiterentwicklung der österreichischen Empfehlungen in Betracht gezogen werden kann.
u:theses: Tom Toni Rüdiger (2024). Die diskursive Herstellung von Geschlecht in der Differentiellen Psychologie
Obwohl eine Zweigeschlechtlichkeit sozial- und naturwissenschaftlich kritisiert wird, beharrt die Differentielle Psychologie auf der Forschung der Geschlechtsunterschiede. Um sich mit der Konstruktion dieser Geschlechtsunterschiede kritisch auseinanderzusetzen, wurden insbesondere die theoretischen Überlegungen von Foucault und Butler herangezogen. Beide Autor*innen hinterfragen, was in der Gesellschaft als Normal betrachtet wird, indem sie die herrschaftlichen und unterdrückerischen Anteile von Normen und Konventionen sichtbar machen. Sie verstehen somit auch Geschlecht diskursiv konstruiert und stellen die Hegemonie der Zweigeschlechtlichkeit in einen historischen Kontext. Mittels Kritischer Diskursanalyse wurden in dieser Arbeit die Diskurse und somit die sprachliche Repräsentation der Geschlechtsunterschiede untersucht. Dafür wurden die Lehrbücher der Differentiellen Psychologie, die an österreichischen Hochschulen gelehrt werden, auf ihre Konstruktion von (Zwei-)Geschlechtlichkeit hin analysiert. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die differentialpsychologische Forschung die Zweigeschlechtlichkeit und die daraus resultierenden Geschlechtsunterschiede vor allem mit biologischen Faktoren und Grundlagen erklärt. Um diese Zweigeschlechtlichkeit zu legitimieren, umfasst der Forschungsbereich der Differentiellen Psychologie auch soziopolitische Themenfelder. Besonders geschlechtliche Arbeitsteilung und geschlechtsspezifische Gewalt werden der Natur der Geschlechter zugeschrieben und somit entpolitisiert. Diejenigen Identitätsformen, die außerhalb einer heterosexuellen Matrix fallen, werden pathologisiert bzw. ignoriert und unsichtbar gemacht. Gleichzeitig wird in den Lehrbüchern der Differentiellen Psychologie eine objektive und neutrale Wissenschaft konstruiert, die sich der Findung allgemeingültiger Wahrheiten verschrieben hat. Indem die Differentielle Psychologie eine Zweigeschlechtlichkeit legitimiert und gleichzeitig die Konstruktionsprozesse verschleiert, erhält sie patriarchale Verhältnisse aufrecht.
In der Therapie Alkoholabhängiger war lange Zeit die Zielvorstellung einer lebenslangen Abstinenz dominant. Doch seit einigen Jahren gewinnt ein zunächst randständiges Konzept an Einfluss innerhalb des suchtwissenschaftlichen Diskurses, das kontrollierten Konsum als Alternative propagiert und Betroffenen eine Rückkehr zu einem selbstüberwachtem Trinkverhalten nach Plan in Aussicht stellt. Ziel dieser Arbeit ist es, per kritischer Diskursanalyse nach Jäger zu erforschen, wie sich das Paradigma des kontrollierten Trinkens trotz heftiger Kontroversen aus dem Abstinenzparadigma entwickeln und herauslösen konnte.
In einem ersten Analysezyklus werden anhand von deren Internetauftritten Menschenbilder, Motive und Visionen von für den deutschen Sprachraum wesentlichen Protagonist*innen des Diskurses um kontrolliertes Trinke erfasst. In einem zweiten Analysezyklus wird mithilfe einer diachronen Betrachtungsperspektive der suchtwissenschaftliche Diskurs zu kontrolliertem Trinken von 2000 bis 2020 nachvollzogen. Dazu werden Textfragmente aus der deutschsprachigen Zeitschrift SUCHT feinanalysiert. Dabei zeigt sich, dass die Akzeptanz von kontrolliertem Trinken weniger von rational-wissenschaftlichen Argumenten als von impliziten Menschenbildern, Ideologien und insbesondere von finanziellen Interessen abhängt. Jahrelang wird kontrolliertes Trinken in der Zeitschrift als unwirksam abgelehnt und werden antithetische Diskurse unterdrückt. Dann jedoch wird eine medikamentös gestützte Trinkmengenreduktion von der Pharmaindustrie entdeckt und Forchung in diese Richtung unterstützt. In einer überraschen kuzen Zeitspanne ändert sich auch die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung und das Abstinenzparadigma weicht auf.
Die Autorin geht daher davon aus, dass kontrollierter Konsum das Abstinenzparadigma ablösen wird, da es einen pathologisierenden und individualisierenden Diskurs in Bezug auf Alkohol und das den Neoliberalismus bestimmende Menschenbild des autonomen, aber selbstverantwortlichen Subjektes erfolgreich verschaltet – und zudem neue Renditen verspricht.
Österreich weist eine der höchsten Raten geschlechtsspezifischer Gewalt in der Europäischen Union auf: Allein im Jahr 2021 wurden in Österreich 31 Femizide begangen, was nur die äußerste Zuspitzung patriarchaler Gewalt darstellt, die tief in gesellschaftliche Strukturen eingeschrieben ist. Geschlechtsspezifische Gewalt basiert auf einer Machtasymmetrie zwischen den Geschlechtern, die vor dem Hintergrund von Foucaults Konzeptualisierungen von Diskurs und Macht als diskursiv konstruiert verstanden wird. Diese Machtasymmetrie muss immer im Kontext anderer Unterdrückungskategorien verstanden werden, die mit dem Konzept der Intersektionalität theoretisch gefasst werden können. Ausgehend von diesen Überlegungen werden in dieser Arbeit zwei parlamentarische Debatten aus dem Jahr 2021 kritisch-diskursanalytisch untersucht. Gefragt wird danach, wie geschlechtsspezifische Gewalt im politischen Diskurs in Österreich konstruiert wird und wie darüber in weiterer Folge politische Lösungsansätze zu ihrer Bekämpfung legitimiert werden. Dabei liegt der Fokus auf mehreren Ebenen: Die diskursive Konstruktion der Gewalt, die Repräsentation der Akteur*innen und die Zuschreibung von Verantwortung. Die Analyse zeigt, dass die Täter sprachlich überwiegend exkludiert werden, während die Betroffenen als passiv und abhängig konstruiert werden. Somit zielen auch die Maßnahmen mehrheitlich auf “Opferschutz” ab, während autonomiefördernde Maßnahmen eher ausgeblendet werden. Häufig ist die Rede von “Frauenmorden” bzw. Femiziden, eine Verbindung zu alltäglicheren Formen patriarchaler Gewalt wird nicht hergestellt. Die Gewalt wird in mehrfacher Hinsicht als Randphänomen konstruiert. Gewaltvolle Bedingungen werden aber auch teilweise normalisiert, was zur Ausblendung von Maßnahmen zur Veränderung dieser Strukturen führt. Die Einnahme einer intersektionalen Perspektive, die zur Erarbeitung effektiver, politischer Lösungsansätze wichtig wäre, lässt sich nicht erkennen.
In dieser Masterarbeit stehen die gegenwärtige psychologische Intelligenzforschung und die darauf aufruhende Intelligenzdiagnostik im Fokus.
Zunächst erfolgt eine theoretische Bezugnahme zu Michel Foucaults Arbeiten über Disziplinar- und Normalisierungsmacht. Danach erfolgt eine geschichtliche Auseinandersetzung mit der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der psychologischen Intelligenzforschung. Daran anschließend wird eine kritische Diskursanalyse von Lehrbüchern der Differenziellen Psychologie durchgeführt, die in das Thema Intelligenzforschung einführen und gegenwärtig an österreichischen Universitäten als Lehrmaterial Verwendung finden. Leitende Frage sind hierbei: Welcher Begriff von Intelligenz wird plausibel gemacht? Wie wird anhand von Intelligenzforschung eine Hierarchisierung von Individuen entlang einer Rangreihung möglich? Welche politischen Implikationen haben diese Ideen?
Anhand der Diskursanalyse wird aufgezeigt, dass die gegenwärtige Intelligenzforschung auf der Vorstellung einer Beschaffenheit von Intelligenz in Analogie zu physikalischen Körpern beruht. Konstruktbildung und Operationalisierung erschaffen ein “Objekt” Intelligenz, in dessen Konzeption hineingelegt wird, dass es im Rahmen der Vermessung zu einer Vergleichbarkeit und hierarchischen Anordnung von Menschen kommen muss. Der Intelligenzbegriff wird hierbei nicht abschließend definiert, tendenziell aber auf einen zweckrationalen Gebrauch von Kognition im schulischen und akademischen Bereich verengt. Hinsichtlich der Modellbildung findet sich innerhalb der Intelligenzforschung eine Fürsprache in Bezug auf die Existenz eines Generalfaktors der Intelligenz. Es wird aufgezeigt, dass der Generalfaktor die Basis für meritokratische Argumente darstellt, durch die soziale Ungleichheit auf Intelligenzunterschiede zurückgeführt wird, wobei der Blick unter Ausblendung sozialpolitischer Faktoren auf das Individuum geleitet wird. Anhand der Analyseergebnisse wird die Neutralität der psychologischen Forschung in Frage gestellt und gezeigt, dass Intelligenzforschung eine sozialadministrative Funktion zur Verwaltung und Normalisierung von Individuen erfüllt, wie auch eine Stützung und Naturalisierung sozialer Ungleichheit ermöglicht.
Im Rahmen dieses Diplomprojekts steht der gegenwärtig vorherrschende, biologisch-neurowissenschaftliche Diskurs rund um die Erklärungen psychischer Erkrankungen im Fokus. Nach einer Auseinandersetzung mit biologischem Wissen im Feld der Psychologie im Allgemeinen und in dem der Klinischen Psychologie und Psychiatrie im Besonderen, folgt eine Beschäftigung mit diskurstheoretischen Ansätzen und den Überlegungen Foucaults zur Verbindung von Wissen und Macht. Vor diesem Hintergrund wird folgende Forschungsfrage leitend: Welche diskursiven Strategien der Neurowissenschaften in Bezug auf psychische Erkrankungen lassen sich aus dem vorliegenden Material rekonstruieren? Wie werden psychische Erkrankungen in biologisch-neurowissenschaftlichen Texten dargestellt? Wie wird dabei “Wahrheit” produziert und Glaubwürdigkeit hergestellt?
Zur Beantwortung der Fragestellung werden, an der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien prüfungsrelevante, in erster Linie biologische Lehrbuchinhalte, im Rahmen derer psychische Erkrankungen behandelt werden, einer kritisch-diskursanalytischen Untersuchung unterzogen.
Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass der Vollzug des biologisch-neurowissenschaftlichen Narrativs abstrahiert und weit entfernt von Phänomenen des subjektiven Erlebens in einer Welt isolierter und biologisch anormalisierter Gehirne stattfindet. Daraus ergibt sich nicht nur eine Distanzierung von einem Erlebten und Gelebten, sondern auch eine De-Kontextualisierung und Individualisierung umfassender, weitläufiger Phänomene in die Sphäre der Biologie des einzelnen Individuums. Dies entfaltet sich in einem, als naturwissenschaftlich-biologisch gerahmten Expertendiskurs, wobei dem diskursiven Einsatz von Hirnbildlichkeiten eine entscheidende, “wahrheitsverleihende” Funktion zukommt. Der untersuchte Diskurs wird als einziger als Diskurs der “Wahrheit” zugelassen, während alternative Diskurse inkorporiert oder überhaupt ausgelassen werden. An der Untersuchung des biologisch-neurowissenschaftlichen Diskurses über psychische Erkrankungen soll beispielhaft die zentrale Rolle von biologischen Wissensformationen im Macht-Wissen-Komplex im Feld der Psychologie aufgezeigt werden.
2015 Preis für wissenschaftliche Abschlussarbeiten des Forschungsverbundes der Universität Wien “Gender and Agency”
In den letzten Jahren werden Debatten um Inter* (auch als Intergeschlecht bezeichnet) in der breiten Öffentlichkeit lauter; Aktivist*innen und Interessensvertreter*innen bemühen sich seit Langem um Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit erlebter Verletzung und Diskriminierung. Vor allem an geschlechtsnormierenden sozial-rechtlich-medizinischen Praktiken wurden und werden Kritiken laut. Ende 2010 wurde von der Deutschen Bundesregierung der Auftrag an den Deutschen Ethikrat vergeben, eine Stellungnahme zu Inter* zu erarbeiten; diese Stellungnahme dient als Grundlage der vorgelegten kritischen Diskursanalyse.
Das Unbehagen, das den Ausgangsort der Betrachtungen bildet, gründet auf der Art und Weise, wie im Kontext dieser ethisch-moralischen Debatte die Themen Geschlecht, Geschlechtskörper und Handlungspraktiken bzw. (Zugriffs-)Rechte um diesen Körper verhandelt werden. So präsentiert sich die Debatte auf den ersten Blick “differenziert” oder gar “kritisch”, indem die Zweigeschlechternorm und der aktuelle (v.a. medizinisch-rechtliche) Umgang mit Inter* in Frage gestellt oder problematisiert werden. Gleichzeitig stecken in den tieferen Verästelungen Setzungen bzw. werden Strategien reproduziert, die (geschlechts-)normierende Praktiken überhaupt erst hervorbringen. Es erzeugt sich über die sprachliche Darstellung eine Reduktion von Personen und Situationen, was wiederum eine Objektivierung von Personen ermöglicht bzw. erleichtert, indem Prozesse zugunsten einordenbarer Parameter eingefroren werden. Objekte sind unbeweglich, passen in Register, sind Teil einer Ordnung und als diese Ordnung viel leichter greif- bzw. beherrschbar. Diese Reduktion oder Verarmung zeigt sich im Zusammenhang mit Geschlecht immer noch deutlich als eine Reduktion auf körperliche und als “eigentlich” oder “natürlich” dargestellte Eigenschaften. Das sogenannte “wahre Geschlecht”, um einen Begriff Michel Foucaults zu bemühen, wird somit nach wie vor als körperliches und als solches auch als bipolar (männlich-weiblich) hergestellt. Auch ist das Subjekt nur als vergeschlechtlichtes Subjekt, und somit als in eine (Geschlechts-)Ordnung passend, als “zugelassenes” Subjekt ausgewiesen.
Publiziert 2014 unter dem Titel Die “anderen Deutschen”. Eine kritische Diskursanalyse im LIT-Verlag.
Das Ende des sozialistischen Gesellschaftssystems und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten brachte umfangreiche Diskurse über die deutsche Einheit und über den damit verbundenen Transformationsprozess hervor, mit dem weitreichende soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen in den neuen Bundesländern einhergingen.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Diskurs um den gesellschaftlichen Transformationsprozess in den Regionen der ehemaligen DDR, der als sogenannter Aufbau Ost bezeichnet wird anhand der Analyse der medialen Berichterstattung der Zeitschrift “DER SPIEGEL”. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei die diskursiven Formationen und Praktiken im Hinblick auf die Konstitution von Subjektpositionen.
Wie herausgearbeitet werden konnte, zeichnen sich die konstituierten Subjekte im Diskurs vor allem durch ein hierarchisches duales Verhältnis aus. Analog zum Kolonial- bzw. modernisierungstheoretisch geprägtem Entwicklungsdiskurs lässt sich eine binäre diskursive Grundstruktur identifizieren, die Vorstellungen vom armen, entwicklungsbedürftigen “Osten” und dem modernen wohlhabenden “Westen” impliziert. Der Diskurs erweist sich insofern als ein hegemonialer und entwertender, da hier über diskursive Konstruktionen des “Eigenen” und “Fremden” das “Eigene”, hier die bundesdeutsche Gesellschaft und die marktwirtschaftliche Ordnung, als höherwertiges Ideal, die Regionen und BewohnerInnen der ehemaligen DDR jedoch als “rückständig”und “entwicklungsbedürftig” repräsentiert werden. Der “Aufbau” der neuen Bundesländer wird zum “Entwicklungsprojekt” bei dem wirtschaftliche Prosperität und ein entsprechender Lebensstandard, durch die Unterstützung des “Westens” und damit über Hilfe “von außen” möglich werden soll. Die Regierung, im Sinne von Foucaults Konzept der Regierung als Führung, der diskursiv konstruierten “anderen Deutschen” und deren Einbindung in marktgerichtete Prozesse und das bundesdeutsche Gesellschaftssystem vollzieht sich dabei über ein Subjektivierungsangebot, das diese anruft sich unternehmerisch zu verhalten und zum Unternehmer ihrer Selbst zu werden.
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der gegenwärtigen Pathologisierung von Transgender im klinisch-psychologischen und psychiatrischen Diskurs. Als Manifestationen dieser stellen die Existenz der Diagnose “Geschlechtsidentitätsstörung” im DSM-IV-TR und in der ICD-10 sowie das Prozedere der Begutachtung und Kontrolle – welchem sich Personen, die eine operative Geschlechtsangleichung vollziehen möchten, in Österreich zu unterwerfen haben – die Ausgangspunkte der Arbeit dar. In der Auseinandersetzung mit Foucaults Entwurf der Disziplinar- und Normalisierungsmacht werden Verbindungen zu mainstream-psychologischer Wissenschaft und Praxis gezogen sowie die Rolle von Wissenschaft in der Frage der Wahrheitsproduktion beleuchtet. Es folgt eine Auseinandersetzung mit Butlers Geschlechtertheorie – im Besonderen mit den Begriffen der Intelligibilität und Performativität – die ermöglicht, Geschlecht als gesellschaftliche, diskursiv hervorgebrachte Kategorie bzw. als Machteffekt zu verstehen. Vor diesem Hintergrund sind folgende Fragen in der empirischen Untersuchung des interessierenden Diskursstrangs handlungsleitend: Welche Strategien der Pathologisierung von Transgender sind rekonstruierbar? Wie wird die Kategorie Geschlecht gedacht? Wie gestalten sich die Regeln der Wahrheitsproduktion und welche Machtwirkungen sind rekonstruierbar? Hierzu werden Texte aus Lehrbüchern der Klinischen Psychologie und Psychiatrie kritisch-diskursanalytisch untersucht, die sich mit der “Geschlechtsidentitätsstörung” beschäftigen. Beim Materialkorpus handelt es sich um Lehrbücher, die gegenwärtig an österreichischen Universitäten in den Subdisziplinen Klinische Psychologie und Psychiatrie in der Lehre Verwendung finden und Zugang zum hegemonialen Diskurs bieten.
Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die Pathologisierung von Transgender auf einer Geschlechter- konzeption basiert, die zum einen von “natürlicher” Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität ausgeht und zum anderen Geschlecht in mehrere Anteile zerlegt, welche zeitlich überdauernd im Sinne heteronormativer Kohärenz ineinander aufzugehen haben, um als intelligible Geschlechter zu gelten. Als weitere Strategien wirken u.a. die Konstruktion eines “großen Leidens” von Transgender Personen – welches durch die ahistorische Betrachtungsweise und die Ausklammerung einer gesellschaftlichen Einbettung des Phänomens stark individualisiert wird – die Konstruktion einer Behandlungsbedürftigkeit, die Passivierung von “Betroffenen” sowie Mechanismen der Anormalisierung. Dies geschieht im Rahmen der Entfaltung eines objektiv gerahmten wissenschaftlichen Diskurses der “Wahrheit”, dem ein subjektiv gezeichneter “Betroffenendiskurs” der Wahrnehmung gegenüber gestellt wird. Am Beispiel der Untersuchung des Diskurses über die sogenannte Geschlechtsidentitätsstörung wird verdeutlicht, welch’ zentrale Rolle psychologischer und psychiatrischer Wissenschaft im Macht-Wissen-Komplex zukommt.
Modernes Schönheitshandeln stellt sich als höchst widersprüchliches Phänomen dar, da es einerseits mit Selbstbestimmung und autonomer, emanzipierter Praxis und andererseits mit Unterwerfung und patriarchaler Unterdrückung verbunden wird. In diesem Spannungsfeld liegt auch die Schönheitspraxis der Enthaarung: Sie erweist sich auf der einen Seite als äußerst restriktive Schönheitsnorm, der frau sich kaum entziehen kann und stellt sich auf der anderen Seite als etablierte und fest verankerte weibliche Handlungsweise dar, die außerhalb feministischer Auseinandersetzung und anders als zum Beispiel das Schlankheitsideal kaum je thematisiert respektive mit Zwang, Unterdrückung und Leid in Verbindung gebracht wird.
Anhand der Analyse des Diskurses um die Haarentfernung in Frauenzeitschriften allerdings wird deutlich, dass sich diese verschiedenen Blickwinkel auf Schönheitshandeln keineswegs ausschließen. So erscheinen die Frauen in dem hier untersuchten Diskurs einerseits als selbstbestimmte, emanzipierte Protagonistinnen, die mitunter sogar die Grenzen von typisch “männlichen” und typisch “weiblichen” Handlungsweisen überschreiten; gleichzeitig jedoch werden einschränkende, stereotype und heteronormative Vorstellungen von Geschlecht auch fortgeschrieben und aufs Deutlichste affirmiert. Das Produkt dieser gegenläufigen Bewegungen ist ein Subjekttypus, der sich sowohl dadurch auszeichnet, dass er einem Regime der Selbstkontrolle unterworfen ist, als auch dadurch, dass er nur unter der Bedingung selbstbewusst und souverän in Erscheinung treten und Geschlechtergrenzen in Frage stellen kann, dass die Geschlechterhierarchie im Großen und Ganzen doch weiterhin aufrecht erhalten wird.
Der Vertrag zur Durchführung des Schengener Abkommens aus dem Jahr 1990, und die daraus resultierende Abschaffung der Personenkontrollen an den Binnengrenzen, führte zu einer Verlagerung der Grenzkontrollen an die Außengrenzen der Europäischen Union. Migration in die Europäische Union war damit nicht mehr allein die Angelegenheit der einzelnen EU-Staaten, sondern betrifft seit Schengen den gesamten europäischen Raum. Daraus resultierte der Bedarf der EU nach einem gemeinsamen Grenz- und Migrationsmanagement, welches im Haager Programm im Jahr 2004 verabschiedet wurde. Eine Schlüsselfigur der europäischen Grenzpolitik ist die Grenzschutzagentur Frontex, die die operative Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten beim Schutz der Außengrenzen unterstützt und koordiniert. Unter der Verwendung verstärkter Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen verfolgt Frontex das Ziel, die Migration in den EU-Raum zu kontrollieren bzw. zu verhindern. Das Management der Außengrenzen, welches einer ständigen Optimierung unterliegt, schließt inzwischen auch Kooperationsabkommen mit Nicht-EU-Staaten ein, aus denen vermehrte Migrationsbewegungen zu verzeichnen sind. Auf diese Weise soll bereits die Ausreise der Flüchtlinge aus ihren Heimatländern verhindert werden.
Mit Hilfe der kritischen Diskursanalyse werden in der vorliegenden Arbeit drei politische Reden analysiert, die sich auf die Grenzschutzagentur und das Grenz- und Migrationsmanagement der EU beziehen. Anhand der Analyse soll nachgezeichnet werden, mit welchen linguistischen Mitteln das Grenzmanagement von den EU-Politikern begründet und legitimiert wird. Ziel dieser Arbeit ist weiter die Beantwortung der Frage, wie eine gemeinsame europäische Identität konstruiert wird, und inwieweit diese Identitätskonstruktion mit Diskriminierungsprozessen und rassistischer Ausgrenzung zusammenhängt. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass sich die EU von den Drittstaaten, aus denen die Migration erfolgt, deutlich abgrenzt. Der Diskurs verdeutlicht zudem, dass die MigrantInnen als Gefahr für die Sicherheit der EU dargestellt werden. Die Konstruktion dieser, von “außen” kommenden Gefahr, schafft die Voraussetzung dafür, dass die EU als innere Einheit erscheinen kann, wodurch die Identität Europas gefestigt wird. Indem die Migration als Bedrohung für die EU-Bevölkerung dargestellt wird, begründet und legitimiert die Europäische Union die zunehmend restriktiven Maßnahmen, die im Zuge ihres Außengrenzmanagements durchgeführt werden.
2014 Publiziert unter demselben Titel im Verlag Kovac.
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Integration psychosomatischer Inhalte in die medizinische Grundausbildung. Anhand der Analyse der Darstellung der Psychosomatik in Lehrbüchern der Medizin soll versucht werden, einen Einblick in die diskursiven Praktiken zu geben, mit deren Hilfe diese Integration stattfindet – oder eben nicht.
Neben einer kurzen Darstellung verschiedener Begrifflichkeiten und der Sprache der Medizin im Allgemeinen findet im einleitenden Theorieteil eine Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Zugangsweisen und Paradigmen der Biomedizin sowie der Psychosomatik statt. Im Anschluss daran wird die gewählte Methode der kritischen Diskursanalyse mitsamt ihrer Wurzeln bei Foucault vorgestellt. Die dabei erscheinende Grundfigur vom komplexen Zusammenspiel von Wahrheit und Macht wird insbesondere im Hinblick auf den hier gewählten Zugang – den wissenschaftlichen (Lehrbuch)-diskurs – untersucht. Mithilfe verschiedener – speziell auf das Material abgestimmter – methodischer Elemente wird in einer umfassenden Strukturanalyse eine gezielte Auswahl einzelner Texte getroffen, die dann einer genauen (und vornehmlich) sprachlichen Feinanalyse unterzogen werden.
Hauptergebnis der Arbeit ist der Befund, dass psychosomatische Inhalte entweder ganz weggelassen werden oder nur in einer marginalisierenden und/oder entwertenden Form Platz finden, fast durchgehend immer jedoch so, dass grundlegende biomedizinische Prinzipien nicht in Frage gestellt werden müssen. Die Einbeziehung der Psyche erfolgt, wenn überhaupt, nur in Bezug auf die Krankheitsverarbeitung, jedoch nicht als krankheitsursächlich. Psychosomatische Ideen werden – der strengen biomedizinischen Subjekt-Objekt-Dichotomie folgend – als “subjektive” oder “persönliche” Theorien dargestellt, in einigen Beispielen sogar der “Täuschung” oder dem “Simulantentum” nahe gerückt. Andere Entwertungen passieren in Form der Betonung des Fehlens körperlicher Nachweise und der Harmlosigkeit der Beschwerden sowie im Weglassen lateinischer Fachtermini. Auch konnte auf mehreren Ebenen dargestellt werden, dass “psychosomatische Symptome” eher einer weiblichen Patientinnenschaft zugeschrieben werden.
u:theses: Stefanie Girstmair (2010). "The Entrepreneurial Poor". Das Subjekt im Anti-Aid-Entwicklungsdiskurs.
Der Entwicklungsdiskurs des 20. Jahrhunderts zeichnete sich dadurch aus, dass die Menschen in der sogenannten “Dritten Welt” als die hilfsbedürftigen Anderen konstruiert wurden. In den gegenwärtigen neoliberalen Strömungen des Entwicklungsdiskurses wird diese paternalistische und rassistische Darstellung vor allem von EntwicklungsexpertInnen, die selbst aus Ländern der “Dritten Welt” kommen, in Frage gestellt. “Die Armen” sind in diesem “Anti-Aid”-Diskurs keine passiven Opfer der sozialen, politischen, ökonomischen und geographischen Umstände mehr, sondern werden zu handlungsfähigen “Entrepreneurial Poor”, die sich nur durch eigenen Fleiß aus der misslichen Lebenssituation befreien können.
Wie in der vorliegenden Arbeit gezeigt wird, schließen sich paternalistische und neoliberale Repräsentationen von Menschen der “Dritten Welt” jedoch nicht aus. Die “Armen” des Anti-Aid-Diskurses sind, wie auch im kolonial geprägten Entwicklungsdiskurs, Mangelwesen, die im Kern jedoch die Eigenschaften des unternehmerischen Selbst aufweisen. Um sie der wahren Bestimmung ihres menschlichen Seins hinzuführen, bedarf es der Intervention von “westlich” gebildeten Menschen, die auch Expertinnen aus Ländern des "Südens" umfassen. Das Produkt dieses Empowerment-Prozesses ist der/die “Entrepreneurial Poor”, eine Subjektmodalität, die die Integration der “unterentwickelten Armen” in den globalisierten Kapitalismus erlaubt.
Andreas Gartus (2008). Das unternehmerische Selbst im Diskurs der (österreichischen) Universitäten.
Ziel dieser Diplomarbeit war es, die Subjektivierungsform des unternehmerischen Selbst in universitären Diskursen aufzuspüren, näher zu beschreiben und wenn möglich auch mit psychologischen Theorien des Selbst in Beziehung zu setzten. Die Figur des unternehmerischen Selbst wurde im deutschen Sprachraum v.a. von Ulrich Bröckling (unter Rückgriff auf die Theorie der Gouvernementalität nach Michel Foucault) als grundlegende Form in der heute Individuen als Subjekte angerufen werden beschrieben und enthält den Appell zur UnternehmerIn des eigenen Lebens zu werden. Nach Bröckling stellt das unternehmerische Selbst allerdings keine beobachtbare Entität dar, sondern beschreibt die Art und Weise wie Individuen als Person angesprochen werden und die Richtung, in der sie verändert werden (und sich verändern sollen). Dem entsprechend wurden in dieser Arbeit primär universitäre Texte bzw. Diskurse analysiert.
Nachdem ein Teil der Kritik am Konzept des unternehmerischen Selbst sich auf die wenig transparente methodische Vorgangsweise von Bröckling & Co bezieht, wurden im empirischen Teil dieser Arbeit zwei konkrete und bewährte Methoden der Diskursanalyse eingesetzt: Die Duisburger Schule der Kritische Diskursanalyse (KDA) um Siegfried Jäger und die Wiener Schule der Critical Discourse Analysis (CDA) um Ruth Wodak.
Während eine Integration der Theorie des unternehmerischen Selbst mit im engeren Sinn psychologischen Theorien nicht auf einfache Weise möglich schien, konnte die zunehmende Wertschätzung unternehmerischer Tugenden im universitären Diskurs deutlich nachgewiesen werden. So finden sich sowohl im Leitbild der Universität Wien, als auch in der Inaugurationsrede von Rektor Georg Winckler (gehalten im Jahr 2000) eindeutige Bezugnahmen auf eine unternehmerische Universität und zahlreiche wirtschaftsrelevante Stichworte wie z.B.: Konkurrenz, Wettbewerb, Evaluation, Effizienz, Controlling, usw. Die Inaugurationsrede von Rektor Alfred Ebenbauer (gehalten im Jahr 1991) enthält dagegen noch praktische keine positiven Bezüge auf ökonomische Aspekte und erscheint eher als Verteidigung der Universität gegen wirtschaftsliberale Zumutungen.
Somit passen das Leitbild und die beiden Universitätsreden grundsätzlich gut ins Bild einer Entwicklung in Richtung unternehmerische Universität, bzw. auch in Richtung verstärkter Appelle an das unternehmerisches Selbst, wobei diese beiden Konzepte Hand in Hand zu gehen scheinen und – zumindest mit den in dieser Diplomarbeit angewandten Methoden und anhand der untersuchten Materialien – nur schwer voneinander zu trennen sind.
Claudia Antonia Zuser (2006). “Die Festung Europa wird in Afrika ausgebaut”. Rassismus und die Konstruktion einer europäischen Identität. Eine kritische Diskursanalyse.
Die Diplomarbeit beschäftigt sich anhand eines präzise ausgewählten Diskursausschnittes mit der Frage, inwiefern die Konstruktion europäischer Identität von rassistischen Argumenten begleitet wird. Sie nimmt ihren Ausgang bei einem von breitem Medienecho begleiteten Ereignis: im Sommer 2004 werden 37 afrikanische Flüchtlinge durch die Hilfsorganisation Cap Anamur vor der Küste Siziliens vor dem Ertrinken gerettet – ein Ereignis, das für den damaligen deutschen Innenminister, Otto Schily, der Anstoß war, um die Idee der Errichtung von Auffanglagern für Flüchtlinge in Nordafrika in Sinne einer “herkunftsnahen Unterbringung” auf der politischen Bühne zu lancieren. Unter Politikern und NGOs entbrannte daraufhin eine hitzige Diskussion, die in den Medien breite Resonanz fand. Auf Vorwürfe der Inhumanität reagierte Schily mit einem Gastkommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem er seinen Vorstoß als Akt einer eigentlichen, nämlich praktischen und nicht bloß rhetorischen, Humanität zu rechtfertigen suchte. Dieser und weitere auf Schilys Idee bezogene ausgewählte Zeitungsartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bilden den Kern des hier analysierten Materials.
Gisela Ruiseco (2005). The construction of national identity in Colombia: The elites and the European heritage. A discourse-analytical approach.
Die in englischer Sprache verfasste Arbeit will anhand eines singulären politischen Ereignisses untersuchen, wie die nationale Identität Kolumbiens seitens der weißen Elite des Landes konstruiert wird: Ausgangspunkt dafür ist die Rede, die der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe Vélez anlässlich seiner Inauguration am 7. August 2002 gehalten hat, und wie diese Rede in der Folge von der kolumbianischen Presse kommentiert wurde.
Ariane Sadjed (2005). Islamische Frauen in der Diaspora. Eine diskursanalytische Untersuchung von Emanzipationskonzepten.
Frau Sadjed will in der vorliegenden Arbeit jenseits von statischen Kulturdefinitionen, kulturellen Dichotomien und Universalismen einen Beitrag zu aktuell in Europa geführten Debatten über den Islam leisten. Indem sie den dabei oft an den Islam gerichteten Vorwurf der Unterdrückung der Frau sukzessive dekonstruiert, fokussiert sie auf einen besonderen Konfliktbereich zwischen den beiden Kulturen. Mittels Diskursanalyse dreier Texte der von iranischen Frauen herausgegebenen Zeitschrift HUDA versucht sie spezifisch islamischen feministischen Argumentationsstrategien auf die Spur kommen.